Guten Appetit! – oder auch nicht: Wie die japanische Küche mich verzweifeln ließ

Vorne weg, ich war letztes Jahr mit der Schule in Japan, wo wir unsere Partnerstadt besucht haben. Gewohnt haben wir bei Gastfamilien, dementsprechend gab es typisch japanisches Essen. Ich selbst bin kein großer Fisch-Esser, was in Japan etwas ungünstig ist, aber ich dachte mir, dass ich die zwei Wochen schon irgendwie überleben würde. Mein Lieblingsessen wird es allerdings nicht, was man auch ganz gut an zwei SMS sieht, die ich in dieser Zeit meiner Mama geschickt habe:

29. 10. 2014, 12:22 Uhr

ICH HABE GERADE ROHE FISCHEIER AUF MEINEM SUSHI DING GEHABT UND OHNE WAS ZU SAGEN GEGESSEN!!! Mama, ich vermisse dein Essen…

03. 11. 2014, 12:13 Uhr

Ich hatte gerade SEETANG in meiner Suppe, das hat genauso geschmeckt, wie es am Meer schon aussieht. Das war die ekligste Konsistenz, die ich je im Mund hatte.

Man sieht, japanisches Essen ist gewöhnungsbedürftig (oder wie mir ein deutscher Bekannter sagte, nur was für Feinschmecker. Ich erkenn wohl einfach nicht den kulinarischen Wert…). Man isst eigentlich immer warm, auch beim Frühstück und es gibt quasi immer Reis zu allen möglichen Gerichten. Ein typisches japanisches Essen sieht zum Beispiel so aus:

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Man sieht die Portion Reis, die nie fehlen darf. In dem Teller darüber ein wenig Fleisch. in den mittleren Schalen diverse Gemüse und Salat Variationen. Oben rechts Frikadellen und Tofustücke und ganz wichtig unten rechts die sogenannte Miso-Suppe. Diese Suppe ist ein japanisches Nationalgericht und wird quasi immer serviert. Als Frühstück oder oder wie als Beilage zum Mittagessen und und und. Sie schmeckt ein bisschen nach Fisch, ein bisschen nach Bohnen und nach Tofu, welcher häufig beigefügt wird (hier z. B. auch). Alles in allem ist das kein Geschmack, den ich als Nutella-verwöhnter Europäer morgens um halb sechs Essen möchte… Dankenswerterweise merkte meine Gastmutter schnell, dass ich kein großer Miso-Suppen-Fan war, weshalb ich morgens immer eine normale Nudelsuppe bekam (die übrigens echt lecker war).

Neben der verschiedenen traditionellen Gerichte, isst man in Japan natürlich auch Sushi. Ein Erlebnis für sich sind dabei die Sushi-Restaurants.

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Wie man auf dem Bild sehen kann, gibt es direkt neben dem Tisch zwei Fließbänder, die durch das ganze Restaurant laufen. Auf dem unteren liegt  bereits fertiges Sushi, dass man sich einfach runternehmen kann, wenn man möchte. Auf dem Bildschirm oben kann man dann die eigentliche Bestellung aufgeben, man klickt das jeweilige Bild an, und kurz darauf kommen die Sushis auf dem oberen Fließband angeschossen und bleiben genau an deinem Tisch stehen. Die leeren Teller kann man dann in eine Art Behälter (rechts im Bild) schieben und bei einer bestimmten Anzahl (ich glaube es waren fünf Teller) kommt auf dem Bildschirm ein kleiner Anime-Film. Selbst wenn man vielleicht nicht so gerne Sushi ist, der Besuch in einem solchen Sushi-Restaurant lohnt sich alle mal. Allein das Bestellen und das Geräusch, wenn die Sushi-Teller über das Fließband zwischen sind schon genial 😀 Mein Lieblingssushi ist  ganz klassisch Thunfisch, aber wer gerne Fisch ist, sollte sich wirklich mal durch die verschiedenen Sorten probieren. Allerdings sollte man einen Dolmetscher dabei haben, wenn einen interessiert, was man isst 😀

Neben dem herzhaften Essen, spielen natürlich auch die Süßigkeiten in Japan eine große Rolle. Wer dorthin fährt, sollte auf jeden Fall mal die Süßigkeitenabteilung eines großen Supermarktes durchstöbern. Ich hab so viel leckere oder auch weniger leckere Dinge entdeckt. Wobei meist die Überwindung groß war, etwas zu probieren, da man dank der japanischen Schriftzeichen nicht wirklich erkennen kann, um was es sich handeln könnte.

Im Vergleich geht es in unseren deutschen  Supermarktregalen unglaublich langweilig zu. KitKat nur mit normalen Schokogeschmack? Hab ich in Japan keines gefunden, dafür aber diverse andere Sorten. Es gab Erdbeere (alles noch harmlos), grüner Tee (war auch farblich ziemlich grün, ich will nicht wissen, wie viel Chemie darin steckte), Kürbis (Halloween-Sonderedition) und mein persönliches Highlight: Erbeer-Käsekuchen. Hat auf jeden Fall besser geschmeckt, als es klingt. Mein Favorit blieb allerdings grüner Tee, auch wenn das der Rest nicht so sah.

Neben den ganzen leckeren Süßigkeiten, gab es auch Vieles, was ich mir nicht nochmal kaufen würde oder teilweise gar nicht erst kaufte. Das war vor allem die breite Auswahl an als Snack zubereiteter Meerestiere. Der harmlose Einstieg ist Popcorn mit Fisch/Algen-Geschmack. Dann gibt es den kompletten Popcorn Ersatz, wo stattdessen kleine geröstete Fische gegessen werden. Die Steigerung davon sind getrocknete Tintenfischarme (die übrigens sehr zäh und schwierig zu essen sein sollen – ich selbst hab aufs Probieren verzichtet) und gepresste Qualle. Und damit man sich das noch ein bisschen besser vorstellen kann, gibt es Fotos davon.

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Neben Süßigkeiten gibt es auch sehr kuriose Nachtische, die wir an einem der Tage sogar selbst zubereiten durften. An den Namen erinner ich mich nicht mehr, nur das es – wie das meiste andere – sehr speziell schmeckte.Die erste, grüne Schicht ist Pudding mit grünem Tee Geschmack (ja, die Japaner finden grünen Tee super), die zweite ist Bohnenmus und die Kugeln obenauf sind Reiskugeln, die ebenfalls eine sehr zähe, seltsame Konsistenz haben.

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Der Bericht ist jetzt doch um einiges länger geworden, als er es eigentlich sollte 😀
Kurz gesagt, fand ich das Essen in Japan nicht besonders lecker, aber wie schon am Anfang erwähnt sehen das einige Leute anders. Entweder man liebt es oder man hasst es, bei uns haben sich allerdings alle auf das deutsche Essen gefreut. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass wir durch die Gastfamilien wenig Möglichkeiten hatten, das Essen zu beeinflussen und uns wenig aussuchen konnten – wer weiß. Japanische Süßigkeiten sind im Gegensatz dazu aber super, allein was die Auswahl und Geschmacksrichtungen angeht.

Liebe Grüße

Lu

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2 Kommentare

  1. Alexandra S · Juni 9, 2015

    Oh, eigentlich mag ich Fisch, aber Thunfisch hasse ich! Scheint also so das Gegenteil von dir zu sein 😉
    Also dass das Erbeer-Käsekuchen-Kitkat schmeckt finde ich gar nicht schwer vorzustellen, so eine „Strawberry-Cheesecake“-Schokolade gibt es hier in Deutschland schließlich auch von Lindt 😀
    Sonst diese „Meeresfrüchte“-Süßigkeiten stelle ich mir auch sehr ekelig vor, ich meine, sie heißen ja nicht umsonst so. Süßigkeiten/sweets sollten vielleicht auch süß/sweet sein ;D
    Liebste Grüße,
    Alexandra von growing-in-self-confidence.blogspot.de

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